TRADITIONSSTIFTUNG UND ERINNERUNGSKULTUR


Verstärkt seit dem 18. Jahrhundert bildete sich an der Universität eine traditionsstiftende Erinnerungskultur aus. Die Initiative zur Feier des zwei­hundertjährigen Universitätsjubiläums 1758 ergriffen mit landesherrlicher Zustimmung der Prorektor und der Senat. Die Jubiläumsveranstaltungen bestanden aus einem Festzug, einem Gottesdienst und einem abschließenden Festmahl, das in höfischen Repräsentationsformen ab­gehalten wurde. Im 19. Jahrhundert kamen die Jubiläumsfeiern unter reger Beteiligung der Jenaer Bevölkerung zustande, und sie nahmen Volksfestcharakter an. Vorläufiger Höhepunkt waren die Feiern zum drei­hundertjährigen Jubiläum 1858, die in einer Vielzahl von erhaltenen Quellen dokumentiert sind. Die zahlreichen Aktivitäten rund um dieses Jubiläum gipfelten in der Enthüllung des Denkmals Johann Friedrichs auf dem Jenaer Marktplatz, der somit in das Zentrum des historischen Bewusst­seins gerückt und als Universitätsgründer in Szene gesetzt wurde. Postkarten zu wichtigen Stationen der Jenaer Universitätsgeschichte haben sich vom 350-jährigen Jubiläum 1908 erhalten.