DIE STADT UND IHRE UNIVERSITÄT


Jena wurde erstmals im 9. Jahrhundert in einem Güterverzeichnis der Abtei Hersfeld genannt. Zur Stadt wuchs die Siedlung mit der Michaeliskirche im 12. Jahrhundert unter der Herrschaft der Herren von Lobdeburg heran. 1331 fiel Jena an die Wettiner. Als Ersatz für den Verlust Wittenbergs bestimmte Herzog Johann Friedrich 1548 die Saalestadt zum Standort der Hohen Schule. In der nachfolgenden Zeit prägte die Universität das Gesicht der Stadt, die ihre Infrastruktur auf die Versorgung der Hochschulangehörigen ausrichtete. Als Korporation mit eigener Gerichtsbarkeit nahm die Universität im Rahmen der Stadtverfassung eine besondere Stellung ein. Die zur Universität gehörigen Gebäude waren im Südwesten der Stadt konzentriert. Sie bestanden im 17. und 18. Jahrhundert aus der Kollegienkirche, den Hörsälen der einzelnen Fakultäten, der Universitätsbibliothek, dem anatomischen Theater sowie Gärten und Gewächshäusern.Studenten rekrutierten sich in der Frühen Neuzeit aus verschie­denen sozialen Schichten, zu denen der Adel gehörte. Im Sozial­gefüge der Universität bildeten sich ab dem 16. Jahrhundert symbolische Formen aus, mit denen die Zugehörigkeit zur Uni­versität begründet wurde. Ein solches Ritual war die depositio(cornuum), das symbolische Abschlagen und Abschneiden der Hörner, das den Zustand der Rohheit beenden sollte. Mit der Aristokratisierung universitärer Kultur im 18. Jahrhundert verschwand die depositioaus dem akademischen Alltag. Stattdessen hielt das neue Leitbild adeliger Verhaltens­formen Einzug, welches sich in den Stammbüchern niederschlug. Stammbücher entstanden seit dem 16. Jahrhundert. Ihr Auf­kommen ist auf den Freundschaftskult zurückzuführen, der in der Frühen Neuzeit vor allem unter adeligen Studenten gepflegt wurde. Die ausgestellten Exemplare dokumentieren das studen­tische Leben im alten Jena.