PROFESSOREN UND GELEHRTE



Johann Gustav Droysen (1808-1884)


Historiker
Studium der Geschichte in Berlin, im Alter von 25 Jah­ren Publikation seiner «Geschichte Alexanders des Großen», mit welcher er Bekanntheit erlangte. Ab 1840 Professor in Kiel. Politisches Eintreten für den National­liberalismus, 1848/49 Abgeordneter der Nationalver­sammlung. 1850 bis 1859 Professor in Jena, danach in Berlin. Neben wirkmächtigen Arbeiten zur griechischen, hellenistischen und preußischen Geschichte liegt Droysens Bedeutung in der Erarbeitung einer Methodo­logie der Geschichtswissenschaft.
 

Rudolf Eucken (1846-1926)


Philosoph 
Studium der Philosophie in Göttingen, nach Tätigkeit als Gymnasiallehrer an verschiedenen Orten Ordinarius zunächst in Basel, später bis zur Emeritierung in Jena. 1908 Verleihung des Nobelpreises (einziger Jenaer Nobelpreis). Hauptabsicht und Hauptarbeit gilt der Auf­rüttelung der Menschen seiner Zeit, die er in Gefahr glaubt. Euckens "aktivistischer Idealismus" ist dem antiken Neuplatonismus und Fichte verpflichtet. Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt.

 

Karl August Hase (1800-1890)


Theologe
Studium in Leipzig und Erlangen. 1823 Habilitation in Tübingen. 1821 und 1824 Verhaftung wegen seines burschenschaftlichen Engagements. 1825 Ausweisung und Umzug nach Dresden, wo er vorübergehend als freier Publizist lebte. Von 1830 bis 1883 Tätigkeit an der Jenaer Theologischen Fakultät, ab 1833 ordentlicher Professor. 1848/49 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Bedeutung erlangte Hase u.a. durch seine Studien zur Kirchengeschichte.
 

Justus Lipsius (1547-1606)


Humanist und Staatstheoretiker  
Lipsius tritt als bedeutender Vertreter des Späthumanismus auf, gilt aufgrund seiner staatstheoretischen Schriften als Begründer der Politikwissenschaft. Vor seiner späteren Tätigkeit an den Univer­sitäten Leiden und Löwen war er Pro­fessor für Geschichte und Beredsamkeit in Jena und bekleidete 1573 das Dekanat der Artistenfakultät. Seine welt­berühmten Schriften (Tacitus-Ausgabe, politische Schriften) erschienen aller­dings nicht in Jena. Von seiner Jenaer Zeit zeugt eine Leichenrede auf den 1573 verstorbenen Herzog Johann Wilhelm. Große wissenschaftliche Bedeutung erlangten seine Arbeiten auf verschiedenen Feldern der Staatstheorie, des Militärwesens, der Klassischen Philo­logie, der Philosophie.

 

Werner Rolfinck (1599-1673)


Mediziner  
1599-1673, Studium der Medizin in Wittenberg, Leiden, Oxford, Paris, Promotion in Padua. Zunächst Professor der Medizin in Wittenberg, 1629 wurde er Professor für Medizin in Jena, seit 1631 lehrte er auch Botanik und Chemie. Rolfinck errichtete das erste anatomische Theater in Jena und führte öffentliche Leichensektionen durch. Er stellte damit die Medizin in Jena auf eine neue Grundlage. Ab 1639 leitete er ein chemisches Laboratorium, woraus 1641 die erste Professur für Chemie an einer deutschen Universität hervorging. Die Beschaffung von Leichen zur Sektion wurde als «rolfincken» zeitweise sprichwörtlich. 

 

Matthias Jakob Schleiden (1804-1881)


Botaniker
Zunächst Jurastudium in Heidelberg und Tätigkeit als Rechtsanwalt. Danach Studium der Medizin und der Botanik in Göttingen. Nach seiner Promotion zum Doctor philosophiae Berufung als Professor an die Universität Jena. Dort Leitung des botanischen Gartens, Vorträge mit großer Öffentlichkeitswirkung. 1863 Wechsel an die Universität Dorpat (Estland), später Privatgelehrter. Schleidens Bedeutung beruht auf seinen Forschungen zur Zelltheorie.
 

Moritz Seebeck (1805-1884)


Universitätskurator
In der Einsetzung eines Universitätskurators personi­fiziert sich der Modernisierungsprozess der Universität. Moritz Seebeck war der bedeutendste Kurator an der Universität Jena. Er prägte während seiner Amtstätig­keit (1851-1877) nachhaltig die Universitäts- und Wissenschaftsverwaltung. Unter ihm nahm die für Jena charakteristische Verbindung von Universität und Stadt Gestalt an. Zum Beispiel setzte er sich für den Eisen­bahnanschluss ein, den Jena 1874 erhielt.
 

Carl Volkmar Stoy (1818-1885)


Pädagoge
Nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Leipzig und der Tätigkeit als Lehrer Habilitation 1843 an der Universität Jena. 1846 Aufstieg zum außerordent­lichen Professor, 1857 Honorarprofessor. Gründung und Leitung des pädagogischen Universitätsseminars und der Heimburgischen Erziehungsanstalt. Nach vorüber­gehender Tätigkeit in Heidelberg 1874 Rückkehr nach Jena. Zu Stoys bedeutenden wissenschaftlichen Leis­tungen zählt die Erarbeitung einer methodologischen Enzyklopädie für das Fach Pädagogik.

Georg Adam Struve (1619-1692)


Jurist
1619-1692, Studium an den Universitäten Jena und Helmstedt. Nach seiner Promotion (1646) wurde er als Professor für Rechtswissenschaften an die Universität Jena berufen und hatte zudem mehrere Hofämter im preußischen Staatsdienst inne. Er verfasste zahlreiche (in mehreren Auflagen erschienene) juristische Werke. Struve verfasste eines der meistbenutzten Lehrbücher des gemeinen Römischen Privatrechts des 17. und 18. Jahrhunderts.

 

Erhard Weigel (1625-1699)


Philosoph, Mathematiker, Pädagoge  
Erhard Weigel studierte Mathematik an der Jenaer Artistenfakultät, wo er 1650 den Magistergrad erwarb und 1653 auf den Lehrstuhl für Mathematik in Jena berufen wurde. Weigel war nicht nur als Mathematiker tätig, sondern auch als kreativer Erfinder und Pädagoge. Das nicht erhaltene Wohnhaus Weigels nahe der Stadtkirche soll sogar einen Fahr­stuhl besessen haben und zählt zu den sieben Wundern von Jena. 1687 ver­fasste Weigel einen «Tugendspiegel», der zur theoretischen Grundlage seines pädagogischen Reformprogramms wurde.