GEISTIG-RELIGIÖSE STANDORTBESTIMMUNG


Philipp Melanchthon (1497-1560) war neben Luther der wichtigste Ideengeber der Reformation. Ab 1518 war er Pro­fessor in Wittenberg. Versuche, ihn 1547 zur Übernahme einer Professur in Jena zu bewegen, scheiterten. Bald nach Luthers Tod (1546) entbrannten Kontro­versen um die authentische Auslegung Luthers. Hier spielte eine wichtige Rolle Matthias Flacius Illyricus (1520-1575), Schüler Melanchthons und Luthers, der 1557 Professor in Jena wurde. Flacius untermauerte den Anspruch Jenas auf alleinige Fortführung des Luthertums und bezog in seinen Schriften Stellung gegen Melanchthon. Aufgrund seiner überspitzten Kritik verlor er 1561 die Unterstützung des Herzogs und verließ Jena.

Die Vor- und Frühgeschichte der Jenaer Universität stand unter dem Einfluss vielschichtiger politischer und theologischer Entwicklungen. Im Mittelpunkt stand dabei das politische Monopol um das religiöse Erbe Martin Luthers, das Johann Friedrich und seine Erben für sich reklamierten. Das Bildprogramm der in Jena gedruckten Lutherausgabe setzt den ernestinischen Herzog als Retter des Luthertums in Szene: Der Titelholzschnitt zeigt den Herzog und den Reformator beim Gebet unter dem Kreuz Christi. Darüber hinaus sind die Anfangsbuchstaben von Johann Friedrichs Motto wiedergegeben: V[erbum] D[omini] M[anet] I[n] A[eternum] («Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit»). Das beigegebene Wappen weist demonstrativ auf den weiterhin erhobenen Anspruch auf die vom Kaiser 1547 entzogene Kurwürde hin.