DDR UND NEUBEGINN


Nach dem zweiten Weltkrieg war Jena die erste Universität, die in der Sowjetischen Besatzungszone wiedereröffnet wurde. Aus dem komplexen politischen Interessengeflecht im Vorfeld der Wiedereröffnung ging der Altphilologe Friedrich Zucker als erster Rektor der Universität hervor, der von seinen Gegnern 1948 zum Rücktritt gezwungen wurde. Die folgenden Jahre waren vom Wiederaufbau der Stadt und der Universität geprägt. Dem Plan des Umbaus Jenas zur sozialistischen Stadt 1968-72 wäre beinahe auch das Collegium Jenense zum Opfer gefallen, was allerdings dank der Initiative Jenaer Professoren verhindert werden konnte. Ab 1972 wurde das ursprünglich für das Zeiss-Kombinat geplante Forschungshochhaus von der Universität, später auch von der Universitätsbibliothek, genutzt. Mit dem Stichwort der Dritten Hochschulreform 1968 sind ehrgeizig geplante, letztlich aber nicht realisierte Strukturveränderungen verbunden. Die Aufhebung der vormaligen akademischen Organisationsstruktur und die Einrichtung von Sektionen bedeuteten die vorübergehende Aufhebung der traditionellen Fakultäts- und Institutseinteilung. In der «Ära Honecker» verharrte die Universität zwischen Innovationsansätzen, ökonomischer Krise und Ressourcenknappheit – bis zur politischen Wende 1989/90.

Die politische Wende 1989/90 brachte der Universität Jena die Entfaltungsmöglichkeiten für eine grundlegende innere wie äußere Neustrukturierung. Dieser Prozess wurde und wird von den Printmedien lebhaft begleitet, in denen das «Gedrängel» der «Aufbruchstimmung» im «schiefen Turm von Jena» und nicht zuletzt die «modernste Bibliothek der Welt» ins rechte Licht gerückt wird.