DIE UNIVERSITÄT UM 1800


Die Zeit zwischen der Französischen Revolution (1789) und dem Wiener Kongress (1815) war eine tief greifende Umbruchsphase, von der zahlreiche Universitäten erfasst wurden. Die Universität Jena profitierte von dieser Entwicklung und stieg – nach vorheriger Krise – bis 1800 zu einer der meistbesuchten Hochschulen in Deutschland empor. Johann Wolfgang von Goethe, der 1775 auf Initiative des jungen Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar nach Weimar gekommen war, hielt sich oft in Jena auf. Er pflegte enge Beziehungen zu Jenaer Professoren und ging hier seinen naturwissenschaftlichen Studien nach. Sein vielfältiges wissenschaftliches Engagement mündete 1815 in die Einrichtung eines eigenständigen Ministeriums, welches Goethe bis zu seinem Tod 1832 leitete. Auf seine Initiative gehen die Anlage des botanischen Gartens in einer neuen Gestalt sowie die Umgestaltung der Universitätsbibliothek zu einer fachsystematisch geordneten Gebrauchsbibliothek zurück. 1789 wurde Friedrich Schiller durch Goethes Vermittlung an die Universität Jena berufen. Seine Lehrtätigkeit als außerordentlicher Professor ohne festes Gehalt währte nicht lang bis 1792/93. Ein ganz besonderes akademisches Ereignis war seine Antrittsvorlesung am 26. Mai 1789 über die Ziele des Geschichtsstudiums. Dieser bis heute berühmt und aktuell gebliebene Text löste unter den Studenten große Resonanz aus. Auf dem Titelblatt der zweiten Auflage nennt sich Schiller bereits «Professor für Philosophie», nachdem er mit der Bezeichnung «Professor für Geschichte» den Standesneid der Jenaer Ordinarien erregt hatte. Die Benennung der Universität nach dem Dichter erfolgte erst 1934.