KONTINUITÄT UND WANDEL


Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts war die Universität von einem tief greifenden Wandel erfasst, der sich in der Herausgabe neuer Statuten niederschlägt. Diese Veränderungen vollzogen sich weg vom alten verfassungsrechtlichen Strukturprinzip der Universität als selbstständiger Körperschaft hin zu einer in den modernen Staat integrierten Institution. In den Jahrzehnten um 1800 galt die Universität Jena aufgrund ihrer außergewöhnlichen Organisation als besonders liberal, denn sie wurde von ihren «Erhaltern», den ernestinischen Herzögen, gemeinsam verwaltet. Die Umwandlung in eine staatliche Einrichtung vollzog sich nach 1820. In der Einsetzung eines Kurators als Schnittstelle zwischen Staat und Universität wird dieser Modernisierungsprozess personifiziert. Der bedeutendste Kurator an der Jenaer Universität war der Pädagoge Moritz Seebeck (1805-1884). Seine Amtstätigkeit zwischen 1851 und 1877 prägte die Universitäts- und Wissenschaftsorganisation nachhaltig. Darüber hinaus wirkte Seebeck auf vielfältige Weise in die Stadt hinein und begründete hiermit die für das heutige Jena typische Verzahnung von Stadt und Universität.