GESCHICHTE DES REUTER-WAGNER-MUSEUMS

 


Zeitstrahl | Die Reuter-Villa | Nikolaus Oesterlein |
Eröffnung des Museums | Das Museum heute



Das Reuter-Wagner-Museum, das im Jahre 1897 in Eisenach eröffnet wurde, enthält neben der weitgehend erhaltenen Ausstattung der Wohnräume des niederdeutschen Dichters Fritz Reuter die weltweit größte Richard Wagner-Sammlung außerhalb Bayreuths. Der von Nikolaus Oesterlein begründete Bestand wurde bereits zu Lebzeiten des Komponisten in Wien zusammengetragen und gelangte in den 1890er Jahren auf Initiative des Verlegers und Geheimen Hofrates Joseph Kürschner nach Eisenach, wo er in das bereits bestehende Reuter-Museum integriert wurde. Lesen Sie hier mehr zur Geschichte des Museums.

ZEITSTRAHL

1868                
   Die Reuter-Villa als neuer Wohnort des Mecklenburger Dichters Fritz Reuter wird fertiggestellt

 
1874Fritz Reuter stirbt in Eisenach

 
1876Die ersten Bayreuther Festspiele finden statt; unter den Besuchern befindet sich der Wiener Wagnerianer Nikolaus Oesterlein, der in Folge dessen mit der Anlage der später nach ihm benannten Oesterlein-Sammlung beginnt

 
1882Der erste Band zu Oesterleins Sammlung, der Katalog einer Richard-Wagner-Bibliothek, erscheint

 

Die zweiten Bayreuther Festspiele finden statt

 
1883Richard Wagner stirbt in Venedig

 
1887Nikolaus Oesterlein eröffnet in Wien das erste Richard Wagner-Museum überhaupt

 
1894Die Witwe von Fritz Reuter - Luise Reuter - stirbt; die Reuter-Villa in Eisenach wird in der Folge durch die Schillerstiftung in Weimar verwaltet

 
1. April 1895Die Stadt Eisenach erwirbt - maßgeblich bedingt durch das Engagement des Verlegers Joseph Kürschner - die Wagner-Sammlung Oesterleins

 
18. Sept. 1895Die Stadt Eisenach kauft die Reuter-Villa von der Schillerstiftung (den Vorsitz des Komitees zur Verwaltung der Villa hatte ebenfalls Joseph Kürschner inne) und beginnt mit der Einrichtung eines Museums in den ehemaligen Wohnräumen Fritz Reuters

 
20. Juni 1897Eröffnung des Fritz Reuter- und Richard Wagner-Museums in Eisenach



DIE REUTER-VILLA


Fritz Reuter (1810-1874), der zu den erfolgreichsten Literaten seiner Zeit zählte und heute als der bekannteste Dichter der niederdeutschen Sprache gilt, verlegte im Jahre 1863 seinen Wohnsitz von Neubrandenburg in Mecklenburg nach Eisenach. Gemeinsam mit dem renommierten Architekten Ludwig Bohnstedt (1822-1885) ließ er zwischen 1866 und 1868 eine im Stil der Neorenaissance gestaltete Villa errichten, in der er bis zu seinem Tode lebte.
Nach dem Tod von Reuters Witwe Luise im Jahre 1894 ging das Haus laut Testament zunächst in den Besitz der Schillerstiftung Weimar über. Ein Jahr später wurde es von der Stadt Eisenach erworben und schließlich zu einem Museum für den Dichter umgestaltet.


NIKOLAUS OESTERLEIN


Die Entstehungsspuren der Eisenacher Wagner-Sammlung führen zunächst nach Wien. Dort begann der in Österreich geborene Kanzleibeamte Nikolaus Oesterlein (1841-1898) als glühender Wagner-Verehrer noch zu Lebzeiten des Komponisten alles Mögliche zusammenzutragen, was mit diesem in Verbindung stand. Nach eigenen Angaben war es das Ziel des Vorhabens, ein "Gesammtbild der kulturgeschichtlichen Erscheinung Richard Wagners" (Oesterlein, Katalog, Bd. 1, Titel) unter den Aspekten seines Wirkens, seiner Weltanschauung sowie seiner Rezeption darzustellen und somit einen eigenen Beitrag zur Verbreitung und zum Verständnis von dessen Werk zu liefern.

Oesterlein gelang es, eine umfassende Richard Wagner-Bibliothek zusammenzutragen, die sämtliche Schriften des Komponisten (zum Teil im Erstdruck) sowie die nahezu lückenlose Wagner-Sekundärliteratur des 19. Jahrhunderts enthält. Hinsichtlich der Musikalien fokussierte Oesterlein sich in seiner Sammlungskonzeption insbesondere auf Raritäten. Des Weiteren trug er Sammlungsstücke zu Wagner und seinem Umfeld zusammen, darunter Handschriften, Theaterzettel und Plakate, Fotografien, Zeichnungen, Bilder, Figurinen, Zeitungsausschnitte und Zeitungen sowie diverse Devotionalien und Kuriosa, sodass die Sammlung nach einigen Jahren bereits mehr als 20.000 Objekte enthielt.

Nachdem Oesterlein über Jahre hinweg nach einem geeigneten Ort für seine Sammlung gesucht hatte, der seinen Vorstellungen entsprach - die Sammlung sollte an ihrem Bewahrungsort sowohl wissenschaftlichen als auch musealen Zwecken genügen können und entsprechend zugänglich sein -, erwarb diese die Stadt Eisenach im Jahre 1895.

ERÖFFNUNG DES MUSEUMS


Die Unterbringung der Wagner-Sammlung Oesterleins in den ehemaligen Wohnräumen des Dichters Fritz Reuter ist auf den Verleger, Geheimen Hofrat, Literatur- und Theaterwissenschaftler Joseph Kürschner zurückzuführen. Unter seiner Initiative erwarb die Stadt Eisenach im Jahre 1895 die Wagner-Sammlung Oesterleins. Ihr Ziel war es, diese in der Reuter-Villa unterzubringen und das bereits bestehende Reuter-Museum mit den angekauften Beständen zu erweitern. So wurde im Jahre 1897 das Reuter-Wagner-Museum eröffnet, das in dieser Zusammensetzung eine Besonderheit in der deutschen Museumslandschaft darstellt, die keine Nachahmung gefunden hat und wohl keine finden wird.

DAS MUSEUM HEUTE


Nach dem überraschenden Tod von Joseph Kürschner im Jahre 1902, wenige Jahre nach der Eröffnung des Reuter-Wagner-Museums, war man dort bemüht, die nun als überproportional empfundene Präsenz der Wagner-Sammlung in den Räumen der Reuter-Villa zugunsten einer ausgewogeneren Ausstellungsgestaltung des Museums aufzugeben.

Zu einer ersten Umgestaltung kam es allerdings erst im Jahre 1924, anlässlich des fünfzigsten Todestages Fritz Reuters. Das Ergebnis war ein Nebeneinander von Wagner gewidmeten Räumen mit solchen, die so authentisch wie möglich die Ausstattung der ehemaligen Gemächer des Dichters wiedergaben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde neben der Beletage der Reuter-Villa ebenso das Erdgeschoss als Teil des Museums miteinbezogen, sodass im Wagner-Gedächtnis-Jahr 1963 die Ausstellung zum Komponisten eine Etage tiefer verlegt werden konnte. Die Wohnräume Reuters im ersten Stock wurden somit gänzlich von den Wagner-Quellen getrennt. Die Ausstellung im Parterre der Reuter-Villa erhielt dafür eine ihrer Zeit entsprechendes Konzeption. Während die Reuter-Räume über die Jahrzehnte hinweg beinahe unverändert blieben, nahm man nach 1989 eine erneute Umgestaltung der Wagner-Exponate vor, und zwar anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Museums im Frühjahr 1997. Diese Ausstellungskonzeption ist auch heute noch zu sehen.

Aus dem mittlerweile mehr als 120 Jahre bestehenden Nebeneinander von Reuter und Wagner unter einem Dach hat sich eine eigene, ja einzigartige Museumstradition entwickelt. Die Verwurzelung der Wagner-Sammlung in der Reuter-Villa äußert sich dabei in den verschiedenen Ausstellungskonzeptionen im Museum selbst. Diese repräsentieren dabei beispielhaft den sich verändernden kulturellen Zeitgeist Mitteldeutschlands während der Wilhelminischen Epoche, der Weimarer Republik, der Zeit des Nationalsozialismus und der DDR bis zur politischen Wende im Jahre 1989.