RESTAURIERUNGSPROTKOLL

Jenaer Liederhandschrift (ThULB Jena, Ms. El. f. 101)

1. Anfertigung von Zustandsfotos:

Nach der sorgfältigen Begutachtung des Buches zur Erstellung eines Schadensprotokolls wurde der Vorzustand fotografisch festgehalten. Sämtliche Pergamente wurden im extremen Streiflicht fotografiert, um die starke Wellen- und Faltenbildung zu dokumentieren. Zusätzlich wurden Fotos von Einbandbeschädigungen, Pergamentbeklebungen, Rissen und anderen für die durchzuführende Restaurierung wichtigen Details angefertigt.

2. Trockenreinigung der Vorsätze:

Die Papiervorsätze des Buches (Spiegel vorn, Spiegel und fliegendes Blatt hinten) zeigten leichte bis mittlere Verschmutzungen, die mit Radierpulver beseitigt werden konnten (M 01). Das verbrauchte Radierpulver wurde abgebürstet und vorsichtig abgesaugt.

3. Befeuchtung und Abnahme der Spiegel:

Die Papierspiegel, eine Zufügung der Restaurierung von 1954, bestehen nicht aus je einem Blatt Papier, sondern wurden wahllos ohne Beachtung der Rippen, Stege und Papiermacherzeichen zu Blättern im Buchformat zusammengeklebt. Diese Papiere stammen aus dem 18. Jhd. und haben keinen Bezug zur Liederhandschrift. Die Position der Blattfragmente wurde skizziert. Zum Ablösen wurden die Papiere mit Wasserkompressen kontrolliert befeuchtet. Die Abnahme erfolgte mit einem Skalpell. Es folgte die Lufttrocknung der Papiere.

4. Abnahme der Schließenteile und der Kette:

Die Messingösen, Haltebleche und Schließenriemen konnten nach der Entfernung der Messingnägel abgehoben werden. Die Eisennägel zur Kettenbefestigung wurden als nicht original erkannt. Zu deren Entfernung mussten die vernieteten Köpfe auf der Innenseite des Deckels abgeschliffen werden.

5. Anheben der Ledereinschläge:

Die Ledereinschläge wurden vorsichtig trocken mit dem Skalpell angehoben und von den Deckeln gelöst. Teilweise lösten sich dabei auch die Hanfverklebungen der früheren Reparatur an den Einschlägen und Deckelecken. Die Lederabnahme erwies sich als unkompliziert und konnte ohne Substanzverlust vorgenommen werden.

6. Abnahme des Deckel-Bezugsleders und des Lederrückens:

Mit dem Falzbein und dem Spatel konnte das originale Bezugsleder vorsichtig trocken abgehoben werden. Das Leder ließ sich ohne Probleme vom Deckel trennen, da der originale Stärkeklebstoff aus der Entstehungszeit des Einbandes und auch der Klebstoff der Reparaturverklebungen keine starke Verbindung zwischen Holz und Leder darstellte und bereits partiell abgebaut war.

7. Abnahme der Pergamentfalze und Flügel:

Rückenhinterklebungen, Flügel und Falze
Die aus der Entstehungszeit der Bindung stammenden Falze und Hinterklebungsflügel aus Makulaturpergament wurden mit Wasserkompressen kontrolliert befeuchtet. Es folgten die Abnahme mit dem Skalpell und die Trocknung der Pergamentfragmente zwischen Filterkarton unter leichtem Druck. Als Trennmaterial diente Holitex.

8. Herauslösung der Bünde aus den Deckeln:

Durch kontrolliertes Befeuchten der in den Deckeln verklebten Hanfbünde und Holzpflöcke wurde der originale Leim angequollen. Die Holzpflöcke konnten herausgenommen werden. Danach erfolgte das Herausziehen der Hanfbünde. Letzte Leimreste wurden vorsichtig mit dem Skalpell entfernt.

9. Abnahme der Kapitale und der Hinterklebungen:

Auf die Kapital-Befestigungen und die doppelten Makulaturpergament-Hinterklebungen wurden Methylzellulose-Kompressen aufgetragen. Nach einer Einwirkzeit von 30 Minuten konnten die Pergamente mit dem Skalpell abgehoben werden. Methylzellulose-Reste wurden abgenommen und verbleibende Spuren abgetupft. Die Trocknung der Pergamentfragmente erfolgte zwischen Filterkarton unter leichtem Druck. Als Trennmaterial diente Holitex. Die Pergamente der Hinterklebung wurden dem Original nicht wieder beigefügt und befinden sich in der Dokumentation.

10. Entfernung des Rückenleims:

Der Buchblockrücken wurde zwischen den Bünden mit Methylzellulose eingestrichen und mit Polyethylen-Folie abgedeckt. Nach 30 Minuten Einwirk- und Quellzeit konnte der alte Hinterklebungsleim mit einem Spatel mechanisch abgehoben werden. Mit einem leicht feuchten Schwamm wurden letzte Leimreste entfernt.

11. Trennen der Bünde vom Buchblock:

Es folgte das Zerschneiden der Heftfäden an den Bünden. Danach konnten die originalen Hanf-Doppelbünde vom Block abgehoben werden. Die Fitzbünde wurden ebenfalls zerschnitten, um so die Lagen vereinzeln zu können.

12. Vereinzeln der Lagen:

Als nächster Arbeitsschritt konnte der Buchblock in die einzelnen Lagen zerlegt werden. Diese Arbeit erwies sich als unkompliziert, da der Originalleim nicht sehr tief zwischen die Pergamentlagen eingedrungen war. Die in den inneren Doppelblättern verbliebenen Heftfäden wurden entfernt.

13. Zerlegen der Lagen in Doppelblätter:

Für die nachfolgenden Arbeiten (Glätten der Pergamente und Digitalisieren) war es notwendig, die Lagen in ihre einzelnen Doppelblätter zu zerlegen. Die ineinander gesteckten Blätter konnten ohne den Halt der Heftfäden voneinander getrennt werden. Da der Leim der Rückenhinterklebung an den Heftstellen wenig in die Lagen eingedrungen war, konnte dieser Arbeitsschritt problemlos ausgeführt werden.

14. Reinigung der Pergamente:

Trockenreinigung mit Radierpulver
Es folgte die Reinigung der Pergamente von Oberflächenverschmutzungen. Dazu wurde Radierpulver (M 01) aufgestreut und mit kreisenden Bewegungen vorsichtig auf dem Pergamentblatt verteilt, wobei der Druck auf Initialen, Noten und Schrift kontrolliert verringert wurde. Das Radierpulver nahm den Schmutz sichtbar auf. Farben und Schrift bekamen wieder Brillanz und mehr Kontrast. Mit einem Pinsel wurde das verschmutzte Radierpulver entfernt.

15. Befeuchtung der Pergamente und Abnahme der Reparaturbeklebungen:

Befeuchten der Pergamente
Um die Pergamente glätten zu können, mussten diese zuerst gering befeuchtet werden. Diese kontrollierte Befeuchtung konnte in einer Klimakammer (Unterdrucktisch mit Plexiglashaube) vorgenommen werden. Die Pergamente lagen pro Doppelblatt zwei mal zehn Minuten bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 95 % und einer Temperatur von 20 °C in der Kammer. Diese Zeit war nötig zur Wasseraufnahme der Pergamente, ohne die Tinte dabei zu gefährden. Die Reparaturbeklebungen auf den ersten vier Blättern konnten im befeuchteten Zustand abgenommen werden. Verbliebene Klebstoffreste konnten erst im weiteren Verlauf der Restaurierung entfernt werden.

16. Glätten der Pergamente:

Nachdem die Pergamente die nötige Feuchtigkeit aufgenommen hatten, wurden diese auf einem Tisch mit weicher Polypropylen-Filz /Holitex Auflage vorsichtig in die originale Form gedehnt. Durch vorsichtiges Drücken und Glattstreichen konnten alle großen Falten und etwa 90 % der mittleren und kleinen Falten beseitigt werden. Verwerfungen im Pergament, die auf die Feuchtigkeit der Malfarben zurückzuführen sind, wurden weitestgehend belassen.

17. Trocknung der Pergamente:

Die geglätteten Pergamente wurden am Rand mit Gewichten fixiert und nach kurzem Trocknen zwischen Filterpapier und Holitex leicht gepresst. Halbstündliches Wechseln des Filterkartons entzog dem Pergament die überschüssige Feuchtigkeit. Nach fünf Stunden konnten die Pergament-Doppelblätter wieder gefalzt werden. Um einen scharfen Bruch im Falzbereich zu vermeiden, wurden in jedes Doppelblatt zwei Filterkartons / Holitex eingelegt. Die anschließende Endpressung der Pergamente erfolgte über einen Zeitraum von zwei Wochen mit täglichem Wechsel des Filterkartons und des Holitex.

18. Digitalisierung:

Im Digitalisierungszentrum der ThULB wurden alle Blätter der Handschrift digitalisiert. Hierzu kam ein Auflichtscanner der Firma Cruse zum Einsatz. Dieses Gerät erlaubt berührungsfreies Arbeiten. Darüber hinaus bietet der Scanner eine Auflösung von 600 dpi und garantiert die farbechte Wiedergabe mittels vorhandenen Farbmanagements. Durch ein speziell für diesen Scanner entwickeltes Seitenlicht wird die dreidimensionale Darstellung der Pergamente optimal erreicht.

19. Betrachtung unter UV-Licht:

Sämtliche Pergamente wurden in einem abgedunkelten Raum mit einer UV-Licht-Handlampe auf Textrasuren und Blindgriffel-Eintragungen untersucht. Es fanden sich mehrere interessante Stellen, die einer weiteren genaueren Untersuchung bedürfen.

20. Abnahme der Klebstoffreste auf den Blättern 1 bis 4 und Schließen der Risse im Pergament:

Nach dem vorsichtigen Betupfen mit MH 300 und einer Einwirkzeit von etwa fünf Minuten konnten verbliebene Leimreste der Reparaturverklebungen mit feuchten Wattetupfern entfernt werden. Danach schloss sich das Schließen der Risse im Randbereich der Pergamente an. Dieses erfolgte durch eine partielle beidseitige Verklebung mit Goldschlägerhaut (M 08) und Pergamentleim (M 05). Unter leichter Beschwerung zwischen Holitex und Löschkarton trockneten die Pergamente.

21. Zusammenstellung und Pressen der Lagen:

Die einzelnen Pergament-Doppelblätter wurden wieder in die ursprüngliche Reihenfolge gebracht und ineinander gesteckt. Es folgte das vorsichtige Einreiben der Lagenfälze und das Pressen der fertigen Lagen zwischen Holitex und Löschkarton. Als Presszeit wurde eine Woche festgelegt.

22. Abnahme der Deckelreparatur:

Die Unterlegungen und Überklebungen der Risse und Fehlstellen des Leders wurden mit dem Skalpell trocken abgenommen. Dies erwies sich als sehr mühsam, da die Reparaturmaterialien teilweise recht fest verklebt waren und das Hanfmaterial auf Grund seiner faserigen Struktur nur stückweise abgehoben werden konnte. Alte Leimspuren mussten mit Methylzellulose-Kompressen angequollen werden und konnten danach mit einem Spatel entfernt werden.

23. Abnahme der Originalfragmente der Vorsätze:

Unter den Reparatur-Vorsatzspiegeln fanden sich sowohl vorn als auch hinten Papierfragmente der Originalspiegel aus der Entstehungszeit des Buches. Diese wurden nach dem vorsichtigen Befeuchten abgenommen.

24. Nassbehandlung aller Papiere der Vorsätze:

Es folgte das Wässern aller Papierfragmente der Vorsatzspiegel und des hinteren fliegenden Blattes. Die Papiere wurden 30 Minuten bei einer Wassertemperatur von 30 °C zwischen Sieben gebadet. Dabei wurden alte Leimreste angelöst. Diese konnten danach ohne Substanzverlust am Papier mechanisch entfernt werden.

25. Anfaserung der Reparaturspiegel und des hinteren fliegenden Blattes:

Es folgte das Anfasern der Vorsatzpapiere. Fehlstellen im Papier konnten hierbei mit Zellulosefaser (M 14) ausgefüllt werden. Zur Stabilisierung der Spiegel wurde zusätzlich Japanpapier (M 15) rückseitig aufgeklebt. Als Klebstoff diente ein Gemisch aus Methylcellulose (M 02) und Weizenstärke (M 03) im Verhältnis 1:1.

26. Ersetzen der Falze:

Die originalen Makulaturpergament-Falze vorn und hinten wurden durch neue Pergamentfalze (M 07) ersetzt, da die Originale separat aufbewahrt werden sollen. Das neue Pergament wurde beidseitig geschliffen, um eine weitestgehend historische Oberfläche zu schaffen und die Haltbarkeit der später folgenden Verklebung der Pergamente zu gewährleisten.

27. Nassbehandlung der Holzdeckel:

Sowohl der vordere als auch der hintere Holzdeckel bestehen aus zwei Buchenholz-Brettern, die auf der Vorder- und Rückseite mit je zwei schwalbenschwanzförmigen Verbindungsteilen zusammengehalten werden. Diese eingelassenen Verbindungsteile aus Buchenholz wurden vom Buchbinder jeweils vorder- und rückseitig versetzt angeordnet. Auf den Deckelvorder- und Rückseiten fand sich über die Fuge verteilt verklebte Hanffaser zur zusätzlichen Stabilisierung. Die Deckelecken an den Vorderkanten waren unsachgemäß mit Holzkitt über eingeschlagene Messingblech-Streifen ergänzt worden. Diese Reparatur der 50er Jahre wurde mechanisch entfernt. Die Deckel wurden gewässert, um Leim- und Hanffaserreste der Reparatur abzulösen. Die Bretter verblieben 20 Minuten in 60 °C. heißem Wasser. Es wurde darauf geachtet, dass sich die Schwalbenschwänze nicht herauslösen. Danach erfolgte eine Lufttrocknung.

28. Trockenreinigung der Vorsätze:

Anschließend wurden die Bretter wieder leicht befeuchtet und vier Tage zwischen Filterkarton leicht gepresst. Fehlstellen im Holz wurden nach dem Trocknen der Deckel mit Holzkitt (M 10) ausgefüllt und danach verschliffen. Danach erfolgte das Einbringen von Gelatine (M 04) in die Fugen. Um die teilweise bis zu 1 mm breiten Fugen zusätzlich zu festigen, wurden diese jeweils beidseitig mit dünnem Pergament (M 07) beklebt. Als Klebstoff diente Methylzellulose.

29. Heften des Buchblocks:

Heften des Buchblocks
Das Heften des Buchblocks erfolgte auf der Heftlade. Die Heftlöcher der Originalheftung wurden wieder verwendet (M 11, M 12, M 13).

30. Pressen und Hinterkleben des Buchblocks:

Der geheftete Buchblock wurde zwischen Brettern in Schraubzwingen gepresst und konnte danach beleimt und hinterklebt werden. Als Leim wurde Gelatine verwendet (M 04). Als Hinterklebematerial diente doppelt geklebtes Baumwollgewebe (M 09). Nach dem Aufkleben der Gewebestreifen wurden diese zusätzlich mit Methylcellulose (M 02) bestrichen.

31. Anbringung der Kapitale:

Die Originalkapitale waren gut erhalten. Sie wurden vorsichtig mit Wattetupfern, zunächst trocken und anschließend mit Wasser befeuchtet, gereinigt. Die Festigung einzelner lockerer Fäden der Umwickelung erfolgte mit Methylcellulose (M 02). Abschließend wurden die Kapitale mit Gelatine (M 04) angeklebt.

32. Ansetzen der Holzdeckel:

Buchblock vor dem Beziehen mit Leder
Die Holzdeckelmontage am Buchblock erfolgte in der Originalposition. Die Bünde wurden durch die Deckellöcher und Kanäle gezogen und mit Gelatine (M 04) verklebt.

33. Reinigung des Originalleders:

Die Fragmente des originalen Einbandleders wurden trocken abradiert (M 01). Danach wurden die Ränder an den zu unterlegenden Fehlstellen an den Ecken und in den Rückenfalz-Bereichen mit dem Skalpell vorsichtig ausgedünnt (geschärft).

34. Unterlegen der Lederfehlstellen:

Für sämtliche Fehlstellen des Leders wurden entsprechende Unterlegungsstücke aus Schweinsleder (M 06) geschnitten und deren Ränder ausgeschärft. Diese Teile wurden passgenau auf den Deckeln positioniert und mit Methylcellulose (M 02) angeklebt. Der Buchrücken wurde nach dem Bekleben (Beziehen) entsprechend des Originalleders abgebunden.

35. Aufkleben des Originalleders:

restaurierter unterer Kapitalbereich
Die Deckel-Bezugsteile des Originalleders wurden wenig befeuchtet und mit Methylcellulose (M 02) aufgeklebt. Es folgte das leichte Pressen des Buches zwischen Schaumgummimatten. Nach dem Trocknen der Lederflächen wurde das Rückenleder ebenso aufgeklebt und entsprechend der Originalabdrücke abgebunden.

36. Festigung der Schließenriemen:

Die Gelenkbereiche der Schließenriemen mussten gefestigt werden. Die gelockerten Partien des Originalleders wurden mit einem Spatel angehoben. Danach wurde Methylcellulose (M 02) zwischen die Leder der Riemen gestrichen. Die Verklebungen trockneten unter leichtem Druck.

37. Befestigung der Metallteile und der Kette:

Die Schließenteile wurden mit Messingnägeln (M 16), deren Köpfe leicht abgeflacht worden waren, an den Deckeln befestigt. Die entfernten Reparatur-Eisenstifte der Kettenbefestigung wurden durch neue Eisenstifte (M 17) ersetzt. Die Kette wurde am Deckel positioniert und angenietet.

38. Lederretusche:

Anschließend folgte die Retusche des neuen Schweinsleders der Unterklebungen zur farblichen Angleichung an das Originalleder. Hierzu wurde Lederfarbe verwendet (M 18). Die Retusche erfolgte vom hellen Lederfarbton zum dunkleren. Das Leder wurde punktuell mit einem feinen Pinsel unter Zuhilfenahme einer Lupe retuschiert.

39. Aufkleben der Flügel und der Reparaturspiegel / Anpappen:

Die Flügel der Baumwollhinterklebung, die Pergamentflügel und die Papiere der Reparaturspiegel wurden mit Methylzellulose (M 02) auf die Deckelinnenseiten geklebt. Entstehende Dehnungsfalten konnten mit dem Falzbein glatt gestrichen werden. Die Verklebungen trockneten im geöffneten Zustand des Buches.

40. Aufkleben des hinteren Originalspiegels:

restaurierter Zustand des hinteren Spiegels
Das freigelegte Fragment des Originalspiegels hinten wurde auf den hinteren Spiegel mit Methylcellulose (M 02) geklebt. Als Position des Fragmentes wurde der vorgefundene Originalbefund gewählt.

41. Einkleben des Ex libris und der Handschrift:

restaurierter Zustand des vorderen Spiegels
Das Ex libris und die Handschrift wurden entsprechend der vorgefundenen Positionen auf den vorderen Spiegel mit Methylzellulose (M 02) geklebt.

42. Besonderheiten, die während der Restaurierung festgestellt wurden:

restauriertes Buch im fertigen Zustand
Beim Glätten der Pergamentblätter wurde deutlich, welches Format die Handschrift ursprünglich im 14. Jhd. aufwies. Einige eingefaltete Ecken und Kanten an den Blatträndern wurden bei der Bindung im 16. Jhd. vom Beschneidhobel nicht erfasst und blieben daher eingefalzt. Die Einfalzungen wurden beim Glätten nach außen geklappt, vermessen und nach der Digitalisierung wieder eingefalzt. Bis auf eine Lage wurden alle Lagen vom ersten Buchbinder an den Heftstellen mit einem Messer geschlitzt. Es gibt zu diesem Befund unterschiedliche Deutungen (vgl. dazu Susanne Kull / Joachim Ott / Frank Schieferdecker, Die Restaurierung und Digitalisierung der ´Jenaer Liederhandschrift` im Jahr 2007, in: Jens Haustein / Franz Körndle [Hg.], Die `Jenaer Liederhandschrift`. Codex - Geschichte - Umfeld. Berlin 2010, S. 1-28). In sämtlichen Lagen zeigten sich außerdem zumeist gepaarte Einstichlöcher. In einem solchen Doppelloch befand sich ein gedrehtes Pergamentriemchen, das auf eine provisorische Fixierung der einzelnen Lagen vor der eigentlichen ersten Bindung schließen lässt. Blatt 69 weist eine Besonderheit auf. Es liegt als Einzelblatt vor, im Falz befinden sich 5 mm nach innen versetzte Leimspuren, die darauf hindeuten, dass das Blatt ursprünglich um die vorhergehende Lage gefalzt war (vgl. dazu Kull/ Schieferdecker/ Ott, s.o.).

Materialliste

M 01: Radierpulver DCP 3
M 02: Methylcellulose MH 300
M 03: Weizenstärke pH 6,5
M 04: Speisegelatine Gelita 220 Bloom
M 05: Pergamentleim
M 06: Schweinsleder vegetabilisch gegerbt
M 07: Kalbspergament
M 08: Goldschlägerhaut
M 09: Baumwollgewebe Batist 112 g/qm
M 10: Holzkitt, Legno liquido
M 11: Heftfaden
M 12 :Hanfschnur
M 13: Bienenwachs
M 14: Papierfaser Zellstoff weiß/ ungebleicht
M 15: Japanpapier Paper Nao 9g / qm Kozo-Faser Nr. K-93
M 16: Messingnägel
M 17: Eisenstifte
M 18: Lederfarbe

Lieferantenliste

M 01: Anton Glaser, Theodor-Heuss-Str.34a, 70174 Stuttgart
M 02: Gabi Kleindorfer, Aster Str. 9, 84186 Vilsheim
M 03: Gabi Kleindorfer, Aster Str. 9, 84186 Vilsheim
M 04: Gelita Deutschland GmbH Postfach 1253, 69402 Eberbach
M 05: Altenburger Pergament- & Trommelfell GmbH , Mozartstraße 8, 04600 Altenburg
M 06: Leder und Lederwaren , Klaus-Peter Ring, Str. des Friedens 17, 09603 Großschirma
M 07: Altenburger Pergament- & Trommelfell GmbH , Mozartstraße 8, 04600 Altenburg
M 08: Noris Blattgoldfabrik GmbH, Rennmühle 3, 91126 Schwabach
M 09: Gabi Kleindorfer, Aster Str. 9, 84186 Vilsheim
M 10: H. L. Schönleber GmbH, Wehlauer Straße 59, 90766 Fürth.
M 11: Restbestände, Leinenindustrie Hirschfelde DDR
M 12: Gabi Kleindorfer, Aster Str. 9, 84186 Vilsheim
M 13: Deffner & Johann, Mühläckerstr.13, 97520 Röthlein/ Schweinfurt
M 14: Munktell & Filtrak GmbH, Niederschlag 1, 09471 Bärenstein
M 15: Anton Glaser, Theodor-Heuss-Str.34a, 70174 Stuttgart
M 16: Ekkehart Schenk, Saalstraße 6, 07318 Saalfeld
M 17: Ekkehart Schenk, Saalstraße 6, 07318 Saalfeld
M 18: Restbestände, Chemiewerk Wolfen, DDR