TECHNISCHER PROZESS


Geht man der Frage nach, wie die Zeichnungen der Graphiksammlung ins Buch kamen, wird rasch deutlich, dass auch die Jugendstildruckkunst von den technischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts abhing, vor allem von der des Strichklischees (ca. 1870), das von Hand oder fotomechanisch hergestellt werden konnte, und der Autotypie (1882), die die Wiedergabe von Grautönen erlaubten. Entscheidend für die Buchgestaltung von „Massenbüchern“ war der Einsatz fotomechanischer Mittel, der Foto-Zinkographie oder Chemigraphie, um Klischees (auch "Clichée" geschrieben, also einen "Abklatsch") herzustellen, die als Bildträger mit dem Satz zusammenmontiert und im Hochdruckverfahren gedruckt werden.
Andere bekannte Techniken waren für den Buchdruck nur eingeschränkt nutzbar: Die Lithographie, die freie Zeichnung und Farbdruck erlaubte, konnte nicht von der Buchdruckerpresse gedruckt werden und wirkte deshalb v.a. als Plakatkunst; der flächige Schwarz-Weiß-Holzschnitt, der unter japanischem Einfluss wieder auflebte, wurde eher pressenmäßig und für Liebhaberdrucke verwendet.
Hans Hofstätter weist darauf hin, dass jene Techniken, die die Möglichkeit zur Großauflage bedeuteten, „nicht Druckgraphik im hergebrachten Sinne, sondern von vornherein für die maschinelle Verbreitung von Zeichnungen bestimmt  [waren], die mit der Feder oder dem Pinsel geschaffen wurden. [...] Die spätere Druckplatte gibt also nur den Grundton ohne Oberflächenstruktur oder Farbschwingung wieder und der Entwurf enthält diese Modulationen ohne ästhetischen Eigenwert, nur durch die Arbeitsweise des Künstlers bedingt und im Hinblick darauf, dass diese Abweichungen vom Grundton im späteren Druck verschwinden.“ Es handle sich also um „ein selbständiges Verfahren zur Herstellung druckkünstlerischer Werke..., da die Zeichnungen auch zu keinem anderen Zweck als eben dem der Klischierung und gedruckten Wiedergabe verfertigt werden." (Hofstätter 2005, S. 15)
Der Künstler konnte jedes Papier verwenden und sich sicher sein, dass das Resultat authentisch war: "Die in reinen Linien oder Flächen angelegte Tuschezeichnung - gleichgültig ob mit der Feder oder dem Pinsel ausgeführt - wird auf fotomechanischem Wege auf eine Zinkplatte geätzt. Das Ergebnis wirkt ähnlich wie ein Holzschnitt, da nur reine Schwarz- oder Weißtöne wiedergegeben werden können; allerdings ist der Duktus der Linienführung oder Flächenkonturierung variabler als beim Holzschnitt, da auch die typische Pinselfraktur zur Geltung gebracht werden kann.“ (Hofstätter 2005, S. 16). Der eher selten verwendete mehrfarbige Druck erfolgte durch 2 oder 3 Zinkplatten für die einzelnen Farbtöne.
Die Herstellung des Klischees bis hin zum Druckstock war dieser: Von der Negativplatte wurde die Metallkopie gefertigt (aus Zink, Kupfer, Messing), auf einen Fuß in Buchstabenhöhe montiert und in das Satzbild eingefügt. Bei größeren Auflagen erfolgte der Druck allerdings nicht vom Originalklischee, sondern vom sogenannten Galvano, einer Abformung des Originalklischees in Wachs, mit Kupfer galvanisiert, mit Blei hintergossen und wiederum auf einem Fuß montiert. Weniger aufwendig waren Matern, Gegenformen des Klischees aus Papier, die zu eventuellem Neudruck wiederum in Schriftmetall gegossen werden könnten; als sogenanntes Stereo sind sie weniger aufwendig herzustellen als ein Galvano (nach Ulrich 1931). Der jeweilige Auftrag an die Druckerei ist in den Korrekturbüchern vermerkt.
Für sehr feine Zeichnungen ließ Diederichs vereinzelt auch Silber-Kopien herstellen, das waren Bromsilberkopien (schwarz-weiß) in rein fotografischem Kopierverfahren, das den anderen Druckverfahren überlegen, doch kostspielig war (Schröder 1930, S. 163/4). In den zwanziger Jahren experimentierte Diederichs mit dem Offsetdruck: Lithographien nach Originalvorlagen wurden chromolithografisch oder fotomechanisch auf Lithographiesteine oder dünne Zinkblecke übertragen, dann über Umdruck oder wieder fotomechanisch auf Maschinenbleche, vom Maschinenblech auf ein Gummituch, von diesem aufs Papier gedruckt, wobei dann auch geleimte Druckpapiere verwendet werden konnten.
Einbandklischees waren gewöhnlich aus Messing oder Stahl, eventuell mit gesetzten Messinglettern; gedruckt wurde zuerst als Blinddruck - ohne Farbstoff -, der Farbdruck dann nachgedruckt - und war schwieriger zu handhaben als Gold. Rückenprägungen und reiche Deckelverzierungen von Liebhaberbänden wurden mittels 'Handvergoldung' vorgenommen, Schriftzeilen dazu festgeschraubt und aufgepresst, die Muster mittels Stempel (Unger 1912, S. 104/5).