BESCHREIBUNG


Die Graphiksammlung des Verlagsarchivs Eugen Diederichs, die 40 Jahre lang unbeachtet im Magazin der Handschriftenabteilung der Jenaer Bibliothek gelegen hatte, in 21 Paketen, im originalen Packpapier aus Verlagszeiten, bleistiftbeschriftet mit Künstlernamen, wurde Ende der 1980-er Jahre wiederentdeckt und erfuhr um 1990 eine erste vorläufige Ordnung. 1551 Blätter wurden gezählt, teilweise mit mehreren und diversen aufgeklebten Buchgraphiken bzw. typographischen Entwürfen für die buchkünstlerische Gestaltung der Bücher des Eugen Diederichs Verlags: mit bis zu 35 Detailzeichnungen pro Blatt, etwa bei Initialenalphabeten oder Titelschriften für eine Reihe bzw. Gesamtausgabe oder bei Jugendstil-Zierrat.
Innerhalb der Pakete war eine Ordnung nach Künstlern und in chronologischer Folge ihrer Arbeiten rudimentär vorhanden, doch waren in vielen Fällen Blätter eines Künstlers über verschiedene Pakete verteilt, wie es dem Arbeitsalltag des Verlages entsprochen haben mag, wenn für Neuauflagen oder zu Vergleichen einzelne Blätter gesichtet und nicht mehr an den alten Platz zurückgelegt wurden.
Immer wieder weisen die Blätter auch Leerstellen auf. Das Aufkleben der Graphiken auf Kartons erfolgte im Nachhinein, so finden sich gelegentlich Arbeiten verschiedener Künstler zu einem Buch auf einem Blatt, ebenso unterschiedliche Gestaltungen von Folgeauflagen oder ein wieder verwendetes Ornament bei einem späteren und nicht dem ursprünglichen Buch. Auch die ohnehin nicht durchgehend erfolgte Namensbeschriftung kann fehlerhaft sein. Die Mehrzahl der Graphiken bis etwa 1920 wurde auf dunkelbraunen, die  Graphiken der zwanziger Jahre auf grünen Karton geklebt; für die Zeit nach Eugen Diederichs wurde ein andersartiger dunkelbrauner Karton verwendet und oft unverkennbar zeitgemäß beschriftet.
Unter anderen sind folgende Künstler mit zahlreichen Arbeiten vertreten: J. V. Cissarz, F. H. Ehmcke, Fidus, Josua Leander Gampp, Paul Haustein, Wilhem Heise, Ernst Kreidolf, Wilhelm Müller-Schönefeld, Hans Meid, Berhard Pankok, Hans Pape, F. H. E. Schneidler, Fritz Schumacher, Otto Ubbelohde, Heinrich Vogeler, John Jack Vrieslander, E. R. Weiss; mit wenigen, aber gewichtigen Blättern: Peter Behrens, Otto Eckmann, Robert Engels, Richard Grimm, Olaf Gulbransson, Walter Klemm, Erich Kuithan, Wilhelm Schulz, Renée Sintenis, Alphons Wölfle. Mit dem Nachlass aus dem Münchener Verlagsarchiv kamen neu die Entwürfe des Buchgraphikers Max Thalmann in den Bestand der ThULB. Zeichnungen von Eduard Ege, Walter E. Loch, Gustav Wolf und anderen konnten von der ThULB bei einer Auktion 2010 erworben werden, zum Teil auf Kartons, zum Teil lose. In der Nachlass-Sammlung Ulf Diederichs fanden sich noch einzelne Zeichnungen, so dass nunmehr ca. 1980 Blätter vorliegen.
Allein die Graphiksammlung ermöglichte, auch unbekannte oder nicht genannte Buchkünstler zu identifizieren und eine umfassende Zuordnung der Verlagsbücher zu Buchkünstlern vorzunehmen.
In der Graphiksammlung nicht vorhandene Arbeiten sind zum kleineren Teil in anderen Archiven (im Klingspor-Museum, Offenbach, im Deutschen Buch- und Graphikmuseum, Leipzig) und in den jeweiligen Nachlässen nachweisbar. Oft handelt es sich dabei um künstlerisch eigenständige oder illustrative Arbeiten; teilweise mag der Verleger nur die Reproduktionsrechte erworben, seltener auch Zeichnungen verschenkt haben, oder sie wurden von Autoren gekauft. So fehlen die Zeichnungen von Melchior Lechter (Maeterlinck, „Schatz der Armen“, 1898), Wilhelm Lefèbre (Otto Falckenberg „Morgenlieder“, 1899), J. M. Olbrich (Wilhelm Holzamer, „Spiele“, 1901), von Marcus Behmer, Rudolf Koch, Walter Tiemann, Gudmund Hentze (H. Chr. Andersen-Ausgabe ab 1909), von Karl Rössing sowie substantielle Teile von Peter Behrens („Feste des Lebens und der Kunst“, 1900), J. V. Cissarz (Helene Voigt-Diederichs‘ „Unterstrom“, 1901), Robert Engels (A. Droste-Hülshoff, „Gedichte“, 1901), Maria Braun.