Mehrwert. Eröffnung neuer Horizonte

 

Die Vielfalt seiner Briefpartner (siehe eine Auswahl auf der Seite “Ein Leben im Dialog”) allein verweist darauf, wie MBK neue Wege in der Erforschung der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts und der interdisziplinären Zusammenarbeit öffnen kann. Unser Projekt beabsichtigt, Buber als einen Menschen vieler Welten darzustellen:

 

Geographisch: MBK wird Bubers Leben und seiner Arbeit folgen, von Galizien – der Ort an dem er den Chassidismus entdeckte – nach Wien – die Stadt seiner ästhetischen Erziehung –, wie auch von Berlin und Leipzig – wo Bubers politische Aufgabe durch die sogenannte „Neue Gemeinschaft“ erweckt wurde und die zionistische Bewegung ihre Anfänge nahm –, bis nach Frankfurt, wo er als Lehrer (Lehrhaus), dann als Lektor und als Honorarprofessor (Jüdische Religion und Ethik) tätig war und später, nach 1933, unter größtem Einsatz die „Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung“ übernahm, und schließlich nach Jerusalem, die Stadt, in der er von 1938 bis zu seinem Tod 1964 lebte – hier wurde er Professor für Soziologie (1938-51), erster Präsident der Akademie der Wissenschaft und Humanwissenschat Israels (1961), und hier widmete er seine letzten Jahre, die er als eine krisenhafte Zeit wahrnahm, der Sache eines Hebräischen Humanismus.

 

Transdisziplinär: MBK wird Bubers Philosophie des Dialogs als ein transdisziplinäres Konzept sichtbar machen. Bubers facettenreiche Aktivität und Arbeit wird in seiner ganzen Reichhaltigkeit und Komplexität rekonstruiert werden. MBK wird ihn als Schlüsselfigur in der dialogischen Philosophie präsentieren, als einen religiösen Denker und Hermeneuten, verankert sowohl in der chassidischen Tradition wie in der Bibel. MBK wird zeigen, wie Buber bereits als Essayist, Poet und Herausgeber im Wien des Fin de siècle in Erscheinung tritt, nicht weniger auch als einen politischer Denker und Akteur, der vom Beginn der zionistischen Bewegung in Deutschland bis zum Eichmann Prozess in Jerusalem in der Öffentlichkeit verankert ist und in Erscheinung tritt. MBK wird Buber als privilegierten Sprecher im Dialog mit christlichen Theologen darstellen, sowie als Lehrer, dessen Theorien und Praxis einen bedeutenden Einfluss auf verschiedene pädagogische Institutionen hatte. Diese Liste könnte noch weiter ausgeführt werden.

 

Politisch: Bubers Leben war das eines “Zoon politikon“ in der aristotelischen Bedeutung des Wortes, sozusagen ein Leben konstant durch die Fürsorge und die aktive Teilnahme in der Öffentlichkeit charakterisiert. MBK wird die Jahre von Bubers kulturellem Zionismus im Deutschen Kaiserreich rekonstruieren und präsentieren; seine Verteidigung der religiösen Gemeinschaft in der Weimarer Republik; sein couragierter geistiger Widerstand in NS Deutschland; und zum Schluss, seine nie ermüdende Aktivität als Urheber von Versöhnungsprozessen zwischen dem neu gegründeten Staat Israel und Deutschland sowie mit dem palästinensischen Volk.

 

MBK wird nicht nur für Buber-Spezialisten interessant sein, sondern auch für ein breites Spektrum an Forschern verschiedener Disziplinen. Das Spektrum der Persönlichkeiten, mit denen er Briefe austauschte, macht deutlich, dass die Edition einen bedeutenden Beitrag zur Forschung in den Bereichen Literatur, Philosophie Theologie, Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Psychologie leisten wird. Darüber hinaus kann sie dazu dienen, historische und soziologische Studien im Hinblick auf intellektuelle Vernetzungen, in der Zeit diskutierte Themenfelder und gegenseitige Einflüsse durchzuführen. Diskurse über christlich-jüdischen Dialog, Versöhnung und Frieden in Palästina sowie über die israelisch-deutschen Beziehung nach dem Holocaust werden außerordentlich von der Edition profitieren können.