Biographische Notizen

 

Martin Buber wurde 1878 in Wien geboren. Er wuchs bei seinen Großeltern in Galizien, dem östlichsten Gebiet des damaligen Habsburger Kaiserreiches, auf. Erste Erfahrungen mit der lokalen chassidischen Gemeinschaft und deren Religiosität machte er in den Jahren zwischen 1881 und 1904. Martin Buber studierte an den Universitäten in Wien, Leipzig, Zürich und Berlin (1896-1904) Philosophie und Kunstgeschichte. Während dieser Jahre lernte er Gelehrte wie Wilhelm Dilthey und Georg Simmel kennen, bei denen er studierte, freundete sich u. a. mit Hugo von Hofmannsthal und Gustav Landauer an, lernte seine zukünftige Frau Paula Winkler kennen und veröffentlichte Gedichte und kurze Essays u. a. über die Wiener Literatur, Nietzsche und die Debatte über „Kultur und Zivilisation“. Buber übernahm eine aktive Rolle in der im Entstehen begriffenen zionistischen Bewegung und wurde1901 Chefredakteur der Welt, dem Zentralorgan der Zionistischen Bewegung. Als eine der führenden Persönlichkeiten der Bewegung der sog. „Jüdischen Renaissance“, der es mehr um eine kulturelle Erneuerung des europäischen Judentums, als um einen rein politisch ausgerichteten Zionismus ging, wurde Buber zu einem der charismatischsten Widerstreiter Theodor Herzls.

 

Im Jahre 1904 präsentierte Buber seine Dissertation über Nicholas von Kues und Jakob Böhme, zog im selben Jahr nach Florenz, sammelte Material für seine ersten chassidischen Bücher (1905-1906). Von 1907 bis 1916 lebte er in Berlin, arbeitete als Lektor und Chefredakteur des Verlags Rütten & Loening (Frankfurt am Main), editierte Anthologien über mystische Traditionen in universeller Perspektive und aus den vielfältigsten Kulturen der Menschheitsgeschichte. Während dieser Jahre hatte er sich bereits beachtliche Anerkennung als deutschsprechender jüdischer Autor erworben, was sich z. B. im breiten Echo auf seine Drei Reden über das Judentum zeigte, die er 1909/1910 in Prag hielt und 1911 zusammen veröffentlichte.

 

Im Jahr 1916 gründete Buber die Zeitschrift Der Jude und zog nach Heppenheim an der Bergstraße, nahe Frankfurt am Main. Hier lebte er zweiundzwanzig Jahre, verfasste u. a. seine Schrift Ich und Du (1923), das Hauptwerk seiner dialogischen Philosophie, unterrichtete am Freien Jüdischen Lehrhaus in Frankfurt, das von seinem Freund und Kollegen Franz Rosenzweig gegründet und geleitet wurde, mit dem er auch die Übersetzung der hebräischen Bibel ins Deutsche (1925-63, Rosenzweig verstarb im Jahr 1929) unternahm; außerdem war Buber Dozent für Jüdische Religion und Ethik an der Frankfurter Universität und übernahm eine Honorarprofessur für Religionswissenschaft. Trotz der Befragung durch die Gestapo und die Entlassung aus der Universität bereits am 7.Mai 1933 verließ Buber Deutschland erst 1938 und widmete sich bis dahin mit allen Kräften dem Glaubenswiderstand der jüdischen Bevölkerung.

 

Im Alter von sechzig Jahren wanderte Buber nach Palästina aus und verbrachte den Rest seines Lebens in Jerusalem (1938-65). Er lehrte als Professor der Soziologie an der Hebräischen Universität, an deren Gründung er seit 1902 mitgewirkt hatte.

 

Nach 1948 wurde Buber zu einer der verlässlichsten und kritischsten Stimmen des Staates Israel und lehrte Versöhnung an einer doppelten Front: zwischen Deutschland und Israel genauso wie zwischen Israelis und Palästinensern. Buber wies keinen der Literaturpreise und der ihm gewidmeten Ehrungen der neuen Bundesrepublik Deutschland ab (was in Israel und in der internationalen jüdischen Öffentlichkeit einige Kritik hervorrief) und förderte den ersten offiziellen Besuch eines deutschen Politikers, Theodor Heuss, im Staat Israel. Als ein Mitglied des Brit-Shalom und einer der Gründer des Ichud forderte er die Politik David Ben Gurions heraus und trat vehement für die Gründung eines bi-nationalen Staates für Juden und Palästinenser ein.