BIOGRAPHIE


Johann Gerhard wurde am 17.10.1582 in Quedlinburg geboren, wo sein Vater Ratskämmerer und Schatzmeister der Fürstäbtissin war. Gerhard besuchte die Schule in Quedlinburg und in Halberstadt. Als 15jähriger geriet er in eine tiefe Krise, in der ihm Johann Arndt, damals Pfarrer in Quedlinburg, als Seelsorger zur Seite stand. Im Jahre 1599 begann Gerhard in Wittenberg mit dem Studium der Theologie (u. a. bei Leonhart Hütter), wandte sich 1601 vorübergehend der Medizin zu und wechselte 1603 an die Universität Jena. Im Winter 1603 erneut schwer erkrankt und sich zum Sterben bereitend, verfasste Gerhard ein Testament, das neben der Regelung äußerlicher Angelegenheiten ein Glaubensbekenntnis enthält und prägnant Zeugnis ablegt von selbstseelsorglicher Vergewisserung im Glauben. Aus derselben Krankheitsphase stammt die Urfassung der Meditationes Sacrae, die Gerhard um willen des Selbsttrostes abgefasst hat. Die erstmals 1606 gedruckten Meditationes wurden mehrfach ins Deutsche und in fast alle europäische Sprachen übersetzt, erlebten 242 Auflagen und sind neben Arndts Wahrem Christentum (1605/10) die erfolgreichste lutherische Erbauungsschrift. Gerhard definiert, Luthers Theologiebegriff weiterentwickelnd, die Theologie (unter Aufnahme altkirchlicher Impulse [Gregor von Nazianz u. a.]) in Analogie zur Medizin als vornehmlich praktische Wissenschaft, die darauf abzielt, den inneren Menschen durch das Glauben stiftende verbum Dei und die Sakramente von der Krankheit der Sünde zu heilen.

 

Gerhard wurde 1606 Superintendent in Heldburg und im selben Jahr in Jena zum Dr. theol. promoviert. Er heiratete 1608 die 13-jährige Barbara Neumeier, die ihm einen Sohn gebar, der schon kurz nach seiner Geburt starb. In diese Zeit füllt die Abfassung des Enchiridion consolatorium (1611), das einen Meilenstein barocker ars moriendi darstellt. Nach schwerer Krankheit starb einige Zeit später auch Gerhards Frau. 1614 heiratete Gerhard Maria Mattenberg, wurde 1615 Generalsuperintendent in Coburg und 1616 Theologie-Professor in Jena, wo er bis zu seinem Tode blieb und 24 Berufungen ablehnte.

 

Gerhards dogmatisches Werk umfasst neben den Loci theologici (1610-1622) u. a. polemisch-theologische Auseinandersetzungen mit dem Jesuiten Robert Bellarmin (Confessio catholica 1634-1637). In Gerhards homiletischem Werk sticht die Auslegung des Hohenliedes (Postilla Salomonaea [1631]) hervor, die u. a. breite Rezeption rabbinischer Exegese erkennen lasst. Die Schola Pietatis (1622/23) wollte Gerhard als Ersatz für Arndts umstrittenes Wahres Christentum verstanden wissen. Darüber hinaus hat Gerhard zahlreiche Kommentare zu biblischen Büchern verfasst und die von Martin Chemnitz und Polykarp Leyser begonnene Harmonia Evangelistarum vollendet.