WERK UND WIRKUNG


Als Theologe, Pädagoge, Schulbuchautor und Schulreformer verfasste Gustav Friedrich Dinter fast 75 Schriften, deren Zählung allerdings nicht ganz einfach ist. Er setzte sich mit exegetischen Fragestellungen, mit katechetischen und ethischen sowie mit pädagogischen Themen auseinander und war ein viel gelesener Autor. Dinters Werke, die bis auf wenige Ausnahmen im Verlag von Johann Karl Gottfried Wagner zu Neustadt an der Orla erschienen, erlebten fast ausnahmslos mehrere Auflagen. Zwischen 1840 und 1851 wurde zudem eine 42-bändige Gesamtausgabe gedruckt. Dinters Œuvre ist geprägt von einem „ständeübergreifende[n] Bildungsideal“, das die Ständeordnung allerdings nicht in Frage stellte. „Menschenbildung und Christenbildung sollten niemandem verwehrt bleiben“, meinte der Pädagoge, dessen Wirken auf Verbesserungen in Staat und Kirche gerichtet war. Als wesentliches Hemmnis für den Fortschritt galt Dinter der „im Volk verwurzelte Unverstand“. Die neuere Forschung zählt Dinter zu den „Leitfiguren der neuen Lehrerbildung und des sich formierenden Standes“ (Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte, Bd. 3, S. 253).

Dinters große Ausstrahlung und Wirkung für das Schulwesen in Sachsen und seine Bedeutung als „Lehrerbildner“ beruhten ganz offensichtlich auf seiner guten Kenntnis der Schulpraxis und auf seiner Fähigkeit, seine Verbesserungs- und Reformgedanken verständlich und wirksam zu formulieren und zu publizieren. Um 1800 war der Schulbesuch in Sachsen noch immer mangelhaft, trotz entsprechender Schulordnungen von 1770 und 1773. Eine einheitliche Schulgesetzgebung war in Sachsen aber zunächst nicht zustande gekommen, so dass sich der Reformbedarf um 1800 vor allem auf die drei Bereiche Lehrerbesoldung, Rechtsstellung des Lehrers und Schulpflicht konzentrierte. In die Reformdebatten über derartige Fragen griff Dinter mit seinen Schriften ein, wobei er sich neben der sozialen und rechtlichen Stellung des Lehrers vor allem um dessen Ausbildung verdient machte.