BIOGRAPHIE


Clemens von Delbrück (19. Januar 1856 Halle/Saale - 17. Dezember 1921 Jena)

1873-1877 Studium der Rechtswissenschaft in Halle, Heidelberg, Greifswald und Berlin. 1882 Eintritt in den höheren Verwaltungsdienst, 1885 Landrat des Kreises Tuchel/Westpreußen, 1892 Ressortleiter im Oberpräsidium der Provinz Westpreußen, 1896 Oberbürgermeister von Danzig, 1902 Oberpräsident von Westpreußen, 1905 preußischer Minister für Handel und Gewerbe, 1909-1916 Staatssekretär im Reichsamt des Innern, 1914-1916 Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums, Mai 1916 Rücktritt von beiden Ämtern, beim Ausscheiden aus dem Dienst für seine Leistungen in der preußischen Verwaltung und in der Reichspolitik nobilitiert, im Oktober/November 1918 letzter Chef des Geheimen Kaiserlichen Zivilkabinetts, 1918 Mitbegründer der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und des Reichstages.


Die Lebensstationen zeigen: Delbrück, ein preußischer Tory, konservativ und modern zugleich, machte eine Vorzeigekarriere. In Danzig setzte er mehrere Reformprojekte durch: Stadterweiterung, Hafenausbau und Gründung der Technischen Hochschule. Von 1905 an prägte er die Sozialpolitik des Reiches, bedeutende Sozialversicherungsgesetze gehen auf ihn zurück. Die Reichsinnenpolitik der Jahre 1909-1916 bestimmte Delbrück in einem solchen Maß, dass sowohl zeitgenössische Kommentatoren als auch moderne Historiker von der Reichsleitung Bethmann Hollweg/Delbrück sprechen. Delbrück verfolgte auch nach 1909 dezidiert sozialpolitische Ziele und initiierte die Verfassung für das Reichsland Elsaß-Lothringen (1911). Als einer der wenigen Vertreter der Reichsleitung suchte er den Kontakt zu führenden SPD-Politikern. 1913/14 arbeitete er ein Programm für die wirtschaftliche Mobilmachung Deutschlands aus, organisierte 1914-1916 die deutsche Kriegswirtschaft und konzipierte das Programm der Neuorientierung mit dem Ziel, nach dem Kriege die Parlamentarisierung des Reiches voranzutreiben. In der DNVP gehörte Delbrück zum christlich-sozialen Flügel. Als Herzensmonarchist und Vernunftparlamentarier saß er im Verfassungsausschuss der Nationalversammlung und beteiligte sich mit großem Engagement an dessen Arbeit.